“Malheur sit up een lütt Stee”

So nicht. Kleines Teil, Grosser Ärger.

Man kann noch so gut vorbereitet sein, manchmal steckt der Teufel im Detail.

So war kürzlich eine von mir von langer Hand geplante und vorbereitete Angeltour letztlich zum Scheitern verurteilt, weil ein Pfennigartikel seinen Dienst unterwegs quittiert hat. Sehr ärgerlich aber leider steckt man da nicht drin.

Was war passiert? Ich hatte Angelbesuch aus Berlin und gemeinsam hatten wir Grosses vor. Mein Besuch hatte seinen letzten Zander vor 30 ! Jahren gefangen und ich hatte ihm versprochen, das dieser Zähler ganz sicher auf Null gestellt werden könnte, wenn er den Weg nach Ostfriesland auf sich nimmt. Entsprechend euphorisch und motivert ging es ans Werk. Leider sollte unser Engagement rasch einen Dämpfer bekommen… Nach erfolgreichem Slipmanöver und Rutenmontage konnten wir die ersten Spots befischen, allerdings ohne Kontakt. Dann auf der Weiterfahrt zur nächsten Stelle, passierte es. Ich bemerkte ein leichtes Klacken im MinnKota Bugmotor, anschliessend verloren wir merklich an Fahrt.

Ich stoppte das Boot und klappte den Motor hoch. Sah soweit alles ok aus. Der Trockentest war dann auch ok. Schraube drehte doch. Bei Kontakt mit dem Wasser verlor die Schraube sofort an Kraft und war quasi ohne Leistung und damit ohne nennenswerten Vortrieb. Ich versuchte mich zunächst in der Fehlersuche. Batterie war ok, Leitungen auch. Anzeigen am Motor ebenso. Weitere Checks am Innenleben der Schraube und am Motor konnte ich dann mangels Werkzeug auf dem Wasser leider nicht durchführen.

Das Angeln wollten wir natürlich nicht abbrechen und dank Aussenborder waren wir auch weiterhin mobil. Allerdings war die Manövrierfähigkeit schon sehr eingeschränkt ohne Bugmotor und so war es ein recht frustrierender Angeltag, zumal auch die Fische nicht mitspielen wollten. Immerhin, das sei am Rande erwähnt, konnte mein Berliner Besucher einen Zander ans Band bekommen und ich somit mein Versprechen einhalten, das er in Ostfriesland mal wieder einen Stachelritter fangen würde.

Der mässige Fangerfolg war zwar ärgerlich aber schnell überwog dann doch die Sorge um den Motor. Ein grösserer Schaden würde sowohl meinem Konto schaden, als auch weitere Angeltouren im Herbst verhindern.
So hab ich dann erstmal direkt beim Service angerufen, in der Hoffnung das die schon anhand der Problembeschreibung eine Idee haben könnten, was da los sein kann. Leider war das dann aber ein Schuss in den Ofen. Ich solle “den Motor mal einschicken, dann müsste man schauen.” “Vermutlich sei Wasser im Motor und dann müsste die Elektrik neu.” Kostenpunkt: “500 € oder mehr” Dazu dann noch Transportkosten und vor allem das Transportproblem. Man muss den Motor so verpacken, das er einen Sturz aus 1,5 Metern Höhe unbeschadet übersteht, sonst nimmt DHL das Dingen nicht mit… Wie sollte ich bitte das grosse, schwere und vor allem sperrige Ding so verpacken??

Beide Punkte bewogen mich dazu, mir andersweitig Hilfe zu suchen. Kurzentschlossen also den Terrova ins Auto gepackt und damit zur KFZ Werkstatt meines Vertrauens gezuckelt. Dort wusste man zwar nicbt, was das für ne Maschine ist (Landratten halt) aber immerhin, der Schlagschrauber konnte die bis dato feste Achsschraube lösen und gewährte weiteren Einblick. Und so offenbarte sich auch der Grund für die Antreibslosigkeit. Der Drive Pin, ein Scherstift, der auf der Achse sitzend den Propeller mitnimmt, kam uns entgegen gebröselt.

Splint

Das also wars. Der KFZler konnte mir aber schnell helfen. Den Rest des Pins ausgeschlagen, neuen Splint in der Länge angepasst und in die Achse eingeschlagen. Schraube wieder drauf und fertig. Löppt.

Angelherbst und Bankkonto gerettet. Das macht den Angeltag zwar rückwirkend nicht besser, aber immerhin bin ich froh, das es nichts schlimmeres war. Einmal mehr hat sich Hannes Flessners Spruch bewahrheitet. “Malheur sit up een lütt Stee.”

Den Scherstift kann man für kleines Geld (4,95 €) bei MyBait bestellen. Vielleicht macht es Sinn, sowas künftig auf Ersatz dabei zu haben.

One comment to “Malheur sit up een lütt Stee”

  • Ingo  says:

    Genau das gleiche Problem hatte ich auch schon einmal. Der Scherstift hat aber schon seine Berechtigung. Würde es den nicht geben, könnte es zu großen Schäden kommen. Wahrscheinlich hat der Scherstift schon einen Knacks gehabt und dann kann ein kleiner aufsetzer der Schraube schon zur Zerstörung führen. Nix desto trotz ist es richtig ärgerlich wenn so etwas gleich am Anfang der Angeltour passiert.
    Petri…
    MfG Ingo

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