Tödliche Liebe ?

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Auch ich komme nicht drumrum, das Thema an diesem Montag nochmal aufzugreifen, das in der vergangenen Woche die Anglerszene (mal wieder) bewegt hat. Der NDR hat mit seinem einseitigen und voreingenommenen Bericht viele Gemüter erhitzt und vielen unwissenden ein schreckliches Bild von uns Anglern präsentiert. Leider hat der NDR es komplett verpasst, dieses Thema FAIR und SACHLICH von beiden Seiten zu beleuchten. Heraus kam stattdessen wieder einmal ein Beitrag der Angler abstempelt und unser Hobbie in ein negatives Licht rückt.

Insbesondere das Thema ob und wie ein Fisch leidet, wenn er an der Angel ist, wird immer wieder thematisiert. Fakt ist, das es hier keine finale Antwort geben wird. Das ist in meinen Augen auch nicht entscheidend.
Wichtiger ist doch, das die handelnden Personen, also wir Angler
a) eine Ausbildung besitzen, die uns ermächtigt mit den Lebewesen umzugehen.
b) dem Lebewesen Fisch den nötigen Respekt entgegen bringt.

Beides ist aber grundsätzlich vorhanden. Die Fischereiprüfung klärt Punkt A, bei Punkt B ist jeder einzelne gefragt und gefordert. Auch und vor allem dabei, sog. Schwarze Schafe unter uns zu beseitigen.

Die allseits präsente Frage ob C&R (Catch&Release) erlaubt und gut für die Kreatur ist oder nicht, sollte demzufolge nicht von Theoretikern oder Gerichten entschieden werden, sondern sollte dem Augenmaß und der Erfahrung des Anglers überlassen sein. Wann entnimmt man einen Fisch und wann ist ein Zurücksetzen (Releasen) des Tieres sinnvoller. Stand der Dinge ist es in Deutschland ja auch nicht verboten, einen Fisch zurückzusetzen. Auch das Freilassen, z.b. zur weiteren Vermehrung, ist ein “Sinnvolles Verwerten” wie es vom Gesetzgeber gefordert wird.

Unser Hobbie muss und darf in meinen Augen nicht auf den reinen Nahrungserwerb reduziert werden, es umfasst dafür einfach viele weitere Aspekte. Wir Angler sind Naturschützer und lieben die freie Natur. Auch wenn das in dem Beitrag nicht erwähnt wurde, ist doch unter anderem die Nähe zur Natur einer der Hauptgründe, weshalb man raus ans Wasser geht. Deshalb denke ich das es sehr wichtig ist, das man hier den handelnden Personen das Vertrauen schenkt, das sie sich im Umgang mit der Kreatur korrekt verhalten. Natürlich ist hier jeder einzelne gefordert dies Vertrauen auch zu erfüllen und es nicht durch Fehlverhalten zu gefährden.

Liebe zum Hobbie? Ja. aber doch bitte keine Tödliche…

Sendung verpasst? Hier kann man sich es noch mal ansehen…

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Foto Montag 16.09.2013

3 comments to Tödliche Liebe ?

  • Patrice Auwin  says:

    “Der NDR hat mit seinem einseitigen und voreingenommenen Bericht…” Schon mal grundweg falsch. Der Bericht stammt von einem Angler, der das Thema sehr objektiv angeht. Das kann ich, als Aussenstehender (ich angle nicht, habe aber auch nichts dagegen) sehr gut beurteilen. Anscheinend wurde hier nicht verstanden, dass es nicht um den Angler, sondern um das Tier geht. Ob das Tier Schmerz und Leid empfindet und ob dies für eine ‘Freude des Menschen’ annehmbar ist.

    Der Angler wird hier nicht ‘abgestempelt’ (als was denn?) und auch nicht vorverurteilt. Unterm Strich steht einfach nur ein Hobby/Sport, bei dem Tiere sterben, das kann man drehen und wenden, wie man will. Und sie sterben nun mal nicht nur zu Ernährungszwecken.

    • Ingo Ingo  says:

      Natürlich ist dieser Bericht einseitig. Das hat nichts damit zu tun, ob es von einem Angler kommt oder nicht. Es wird nur ein sehr begrenzter Bereich des Angelns betrachtet, nämlich das Angeln an sogenannten Put&Take Seen. Dies ist ein eigener Bereich der Angelei, der von sehr vielen Anglern nicht praktiziert wird und auch unter Anglern durchaus kritisch diskutiert wird, eben aufgrund fragwürdigem Umgangs mit den Forellen und den Leuten die man dort antrifft.
      Einseitig ist der Bericht auch deshalb, weil er nicht beschreibt, was die Angler und Angelvereine für den Erhalt der Fischarten und der Natur tun. Dies geht los mit Hegemassnahmen, über den Besatz von Fischen (vor allem auch von Kleinstfischarten, die anglerisch KEINE Rolle spielen) hin zu Wasserkontrollen und Müllsammelaktionen. Angler sind anerkannte Natur- und Umweltschützer. Nur wer sich in der Natur bewegt und sie kennt kann sie auch schützen. Ich denke da nur an Beispiele wie der Wiederbesiedelung des Laches an der Elbe, der dort durch Elbvertiefung und Verschmutzung bereits ausgestorben war. Hier wurden weden Kosten noch Mühen gespart um diesem Fisch seine angestammte Heimat wieder zu geben. Oder auch die Meerforelle, die in der Ostsee wieder zahlreich vorkommt, dank dem Einsatz der Angelvereine. Wo wurde das erwähnt? Es wurde nicht erwähnt das dem “normalen” Angler immer auch die Zeit in der Natur und am oder auf dem Wasser wichtig ist.
      Es ist auch fragwürdig, das der Autor die Frage nach dem Schmerzemfinden gezielt in eine Richtung lenkt. So kommen im Beitrag zwar zwei der führenden Forscher auf diesem Gebiet zu Wort, allerdings wird Prof. Braithwaite, welche von einem bewussten Schmerzempfinden ausgeht, die Möglichkeit gegeben, ihre Argumentation ausführlich darzulegen. Die Darstellung der gegensätzlichen Meinung, vertreten von Prof. Arlinghaus, wird dagegen auf ein einziges Argument reduziert, welches von Prof. Braithwaite dann ausführlich widerlegt werden soll. Viele weitere stichhaltige Argumente, welche gegen ein bewusstes Schmerzempfinden bei Fischen sprechen, werden somit ausgeblendet. Seriöser Journalismus ist das in meinen Augen nicht, denn dann würden beide Seiten gleich betrachtet.
      Ich finde es einfach schade, das hier versucht wird ein negatives Bild zu zeichnen und den Angler in die Richtung eines Tierqüälers zu rücken. Das gibt es in dieser Form nur in Deutschland. In Amerika ist Angeln z.b. das Hobby Nr. 1 noch vor Football oder Basketball, viele Familien nutzen das dort einfach als gemeinsame Erholung in der Natur. In vielen Nordischen Ländern gibt es ein staatl. verbürgtes Recht, das sog. Jedermannsrecht, das regelt, das jeder ein Anrecht auf Nutzung der Wildnis und der Gewässer hat. In Holland ist es Pflicht, zuviel gefangene Fische zurückzusetzen. Die Folge dort ist nicht, das überall Fischleichen herumtreiben, sondern sehr gesunde Ökosysteme und eine hierzulande ungesehene Fischvielfalt. Und ja, ich könnte jetzt auch noch auf die Alternativen zur Gewinnung von Fisch als Lebensmittel verweisen. Die Fische die in Aquakulturen oder in Fischernetzen für den täglichen Verzehr produziert werden sind mit sehr grosser Sicherheit deutlich schlechter dran, als ein in freier Natur frisch gefangener und und waidgerecht versorgter Fisch. Auch dies wurde nicht erwähnt, stattdessen wurden schwarze Schafe als Schaubeispiele herangezogen.

      • Ingo Ingo  says:

        Ich empfehle auch noch den offenen Brief der LSFV Niedersachsen zu dieser Sache: Offener Brief

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