Ein erster Versuch…

boot slippen

Ich hatte schon einige Jahre mit meinem Schlauchboot Erfahrungen beim Bootsangeln gesammelt, und wollte mir unbedingt ein größeres Boot mit festem Rumpf und verbesserter Ausstattung wie z.b. Drehstühlen zum Angeln zulegen. Nachdem ich mich einige Zeit mit den verschiedenen Bootstypen beschäftigt hatte, war klar, das es ein Aluminiumboot mit Platz für zwei Personen werden sollte.
Da ebenso schnell auch klar war, ich mir einen Neukauf nicht leisten können würde, überlegte ich mir, ob ich einen Neuaufbau eines alten Bootsrumpfs hinbekommen würde. Da ich nicht gerade handwerklich begabt bin, war dies ein spannender Punkt, aber als ich nach einigen Monaten einen Aluminiumrumpf in passender Größe und zu fairen Konditionen bei eBay entdeckte, beschloss ich, es einfach zu probieren.

Also wurde mit dem Kauf des Rumpfes das Projekt Bootsbau eingeleitet. Der Transport ohne Trailer war direkt mal eine erste Hürde, aber schließlich lag das Boot in meinem Garten.


Bei näherer Betrachtung des Rumpfes kamen doch Zweifel in mir auf. Der Rumpf war verbeult, der Bug war eingedrückt, und vorn war ein großer Bereich mit einer geschlossenen Abdeckung versehen, die unbedingt entfernt werden müsste. Es sah einfach nicht nach der Art Boot aus, mit der ich mich in meinen Vorstellungen schon auf dem See dümpeln sah. Nun denn, bekanntlich beginnt auch die längste Reise mit einem ersten Schritt und so machte ich mich an die Arbeit. Mit tatkräftiger Unterstützung meines Nachbarn wurde der Rumpf halbwegs von Dellen und Beulen befreit, die Bugabdeckung wurde entfernt und die eingeknickte Spitze wurde gerichtet. Alles überflüssige wurde dann aus dem Boot entfernt und so ging der entkernte Rumpf erstmal ab zum Sandstrahlen. Versuche den alten Lack selbst abzuschleifen, scheiterten im Ansatz.
Nachdem der alte Lack ab war, konnte man zumindest sehen, das der Rumpf eine bessere Grundlage war als zunächst vermutet.
Nun begann ich also mit dem Neuaufbau. Als Fussboden verwendete ich Terassenholz, das zwar schwer, aber m.M. nach haltbar und optisch ansprechend war. Anschließend wurde die Bugabdeckung neu aufgesetzt und das unschöne Heck abgedeckt. Dabei wurden einige Stauflächen geschaffen, in denen ich seither Tanks und Batterien unterbringe. Eine Bodenklappe für Tauwerk und Anker konnte ich auch noch einpassen. Danach ging es daran, ein wenig Farbe ins Spiel zu bringen. Heutzutage kann man sich jede Farbe mischen lassen, das geht fix und ohne Probleme übers Internet. Lackieren wollte ich aus Kostengründen selbst. Zwei Schichten Grundierung und dann zwei Schichten Farbe sollten es sein. Ich habe das mit dem Feinsprühsystem von Bosch gemacht, und kann das vorbehaltslos empfehlen. Funktioniert wirklich einfach und liefert sehr brauchbare Ergebnisse. Das Gerät hat mir mittlerweile schon oft gute Dienste geleistet, z.b. beim Auffrischen der Gartenmöbel…
Nachdem der Lack aufgetragen und die Schichten durchgetrocknet waren, galt es noch eine Zierleiste weiß zu streichen. Das Auge fischt ja schließlich mit.

Anschließend stand der Abschluss der Innenarbeiten an. Die offenen Seitenteile konnte ich mit Forexplatten passgenau schließen. Die sind zwar sehr teuer, aber auf jeden Fall handlich, haltbar und wertig von der Optik. Einen Versuch mit Pressholz hatte ich zuvor schnell beendet, da es einfach nicht meinen Vorstellungen entsprach.

Langsam konnte ich mit Details beginnen, die dem eigentlichen Zweck, dem Angeln dienen würden. Ich brachte Verstärkungen ein, um später die Rutenhalter stabil montieren zu können. Auf die weitere Ausstattung komm ich später mal zu sprechen, es gibt viele wichtige und nützliche Zubehörteile fürs Boot…

Um die Optik aufzuwerten wurde das ganze dann mit Bootsteppich aufgehübscht. Das Verlegen ging zum Glück einfacher als erwartet. Es gibt sehr gute und sehr haltbare Kleber mit denen ich den Teppich einfach an den Alu-Rumpf ankleben konnte, ich habe dazu Sikaflex verwendet. Verschiedene Ösen und Klampen bildeten erst mal den Abschluss. In der Zwischenzeit wurde dann immer schon mal im Internet nach Möglichkeiten des Antriebs recherchiert. Mein alter 2-Takter würde zwar erst mal reichen, allerdings war mir klar, das der Betrieb damit nicht optimal wäre. Schließlich entschied ich mich nach ausführlichen Beratungen mit dem Experten Thomas Schlageter vom Angel-Center Schlageter für einen Minn Kota Terrova, einem Elektro-Motor der mittels Fernbedienung gesteuert wird. Durch das optionale iPilot System ist das ganze dann sogar GPS-gestützt, kann Kurse speichern und zeigt die Geschwindigkeit über Grund an. Die tel. Beratung von Schlageter kann ich nur empfehlen, extrem kompetent ist er sowieso, aber vor allem nimmt er sich Zeit und steht auch nach dem Kauf mit Rat und Tat zur Seite. Wer Fragen zu Echoloten oder Motoren hat ist bei ihm bestens aufgehoben. Den Motor habe ich am Bug montiert, das hat den Großen Vorteil das daß Boot gezogen und nicht geschoben wird. Dadurch läuft es stabiler im Kurs und lässt sich besser manövrieren. Ich muss aber sagen, das das Boot insgesamt noch zu windanfällig ist. An einer Lösung für dieses Problem arbeite ich zur Zeit.


Nun war langsam aber sicher der Zeitpunkt gekommen, über eine erste Probefahrt nachzudenken. Dazu fehlte mir aber noch ein Trailer, den ich nach einigen Wochen Internet Recherche schließlich in Hamburg erstehen konnte. Hier muss ich aber anmerken, das man beim Trailer nicht sparen sollte. Das erste Modell war ein uralter Trailer mit ganz kleinen Reifen und ganz schlechter Boots-Auflage. Was zunächst ok für mich war, hat mich dann später so genervt, das ich mir schliesslich noch einen neuen Trailer zugelegt habe. Wenn man bedenkt, das der alte Trailer ca. 400 € und der neue dann 800€ gekostet hat, sollte man sich gut überlegen, ob man nicht gleich was richtiges anschafft. Wer hier Kompromisse macht, bereut es später immer. Allein die Tatsache, ich mit dem alten Trailer kaum 80 km/h fahren mochte und der neue auf 100km/h aufgelastet werden konnte, spricht schon für die Investition

Die lang ersehnte erste Ausfahrt wurde schliesslich standesgemäß mit einem “Einweihungs-Grillen” gefeiert und mit schönen Fischen belohnt. Entgegen schlimmsten Befürchtungen war das Boot dicht und lag auch wirklich gut im Wasser.

Es war und ist eine tolle Erfahrung so ein Boot als absoluter Laie neu aufzubauen. Ich habe mittlerweile immer mal wieder Änderungen vorgenommen, die sich mir im Verlauf der Nutzung als praktikabler erwiesen haben und so ist es nach wie vor ein Projekt an dem ich immer mal wieder herumschraube. Aktuell baue ich z.b. einen neuen Heckspiegel an, um eine stärkere Motorisierung zu ermöglichen. Der Zeitraum für den geschilderten Bauabschnitt betrug ca. 1,5 Jahre, immer mit viel Leerlauf versteht sich. Finanziell habe ich sicherlich einiges gespart, wenn auch nicht in dem Maße wie ich es mal erhofft hatte. Material, Farben und Werkzeug, sowie Zubehör haben eine Summe verschlungen, für die ich mir sicherlich auch ein Angelboot hätte kaufen können. Aber das wär vermutlich nicht zu vergleichen.

Wer Fragen hat oder Tipps für sein Projekt benötgt, kann mich gerne ansprechen. Wo ich kann helfe ich gern.

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